Impuls Nr. 175

Achterbahn der Gefühle

Es ist Oktoberfestzeit. Aber man muss nicht nach München reisen, um eine Achterbahnfahrt der ‎Gefühle zu erleben. Die kann man auch mitten in unserer Pfarrei haben. Und besonders erleben ‎sie derzeit diejenigen, die seit langem mit der Heimkehrer-Dankeskirche verbunden sind, die in ‎Weitmar-Mark und -Neuling wohnen oder dort in der Kirche die Sakramente empfingen und ihre ‎gottesdienstliche Heimat hatten. Denn in einer Woche werden wir in der Kirche die letzte Hl. ‎Messe feiern, zusammen mit Bischof Overbeck.  
Es ist nicht die erste Kirche, die auf unserem Pfarreigebiet entwidmet wird, und es wird nicht der ‎letzte Kirchraum bleiben, von dem wir uns trennen müssen, weil wir ihn nicht mehr (finanziell) ‎halten und (pastoral) gestalten können. Trauer und Schmerz relativieren sich zwar nicht dadurch, ‎dass es anderen auch so geht. Dass da aber nicht nur niedergedrückte Stimmung und Schmerz ‎vorherrschen, es wirklich ein Auf und Ab der Gefühle gibt gleich einer Achterbahn, liegt an zwei ‎Dingen:  
Zum einen an dem Abschiedsprozess, der gerade läuft, mit seinen vielen beeindruckenden und ‎berührenden Veranstaltungen: Vor zwei Wochen durfte ich mit fast 100 Gläubigen die ‎Abendmesse feiern, von denen Etliche hinterher noch blieben zur Begegnung und zum Teilen von ‎Erinnerungen angesichts der Fotoausstellung aus den Jahrzehnten des Gemeindelebens; u.a. ‎waren eine Reihe von Erstkommunion“kindern“ aus dem ersten Jahrgang in der Kirche Hl. Familie ‎da. Heute (26.9.) wird sich an die Messe um 18.30 Uhr eine „Nacht der Erinnerung“ anschließen, mit ‎Mitbringbuffet und gern in weißer Kleidung – also keine Trauerveranstaltung.  
Die Zukunftsperspektive neben der des Abschieds wird auch in der letzten Messe mit in den Blick ‎genommen. Da ist die Chance, am gemeinsamen Standort St. Franziskus hoffentlich noch stärker ‎zusammenzuwachsen. Aber auch vor Ort in Weitmar-Mark ist das Ende nicht einfach ein Ende: Es ‎wird ja weitergehen – mit Krypta und Kirchenfenstern, mit großer und moderner Kita und auch ‎Räumen für die Gemeinde. 
Ich lade ein, dass wir uns in unserer Pfarrei gegenseitig begleiten bei dieser Achterbahnfahrt der ‎Gefühle. Vielleicht kommen wir ja auch ins Gespräch über das, was uns die verschiedenen ‎anstehenden Veränderungen mühsam oder auch zuversichtlich angehen lässt. Egal wie, uns gilt die ‎Verheißung des Glaubens, dass Christus mit uns ist alle Tage bis ans Ende der Welt.‎

Thomas Köster
Pfarrer der Pfarrei St. Franziskus